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Abschluss nach Flanke: Übungen, Prinzipien und Timing

Flanken sind eine der ältesten und wirkungsvollsten Waffen im Fußball. Ecke. Hereingabe von der Grundlinie. Tiefes Zuspiel in den Rücken der Abwehr. Wer gut flankt, schafft Chancen. Wer die Hereingaben verwerten kann, macht Tore. Das Problem: Viele Teams trainieren das Flanken — aber nicht das Verwerten. Die Flanke kommt rein. Niemand ist da. Oder jemand ist da, kommt aber aus dem falschen Winkel. Oder der erste Pfosten ist besetzt, der zweite nicht.

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Warum Flanken so wichtig sind — und wann sie versagen

Eine kompakte Abwehr ist schwer zu bespielen. Direktes Spiel durch die Mitte wird geblockt. Pässe in die Tiefe werden abgefangen. Aber auf der Außenbahn ist Raum — und von dort kommt die Flanke.

Die Flanke ist das beste Mittel gegen kompakte Abwehrformationen. Wenn die Mitte dicht ist, bleibt die Außenbahn. Wenn du schnelle Außenspieler hast, die in die Tiefe gehen, und zentrale Spieler, die in den Strafraum laufen — dann bist du gefährlich.

Warum versagen Flanken trotzdem so oft?

ProblemUrsache
Kein Abnehmer im StrafraumEinlaufwege zu früh gestartet oder zu spät
Falscher AnlaufwinkelSpieler kommt von der falschen Seite, trifft den Ball nicht sauber
Timing passt nichtFlanke kommt zu früh, Spieler ist noch nicht im Strafraum
Beide Pfosten nicht besetztFlanke landet in der Lücke
Direktabnahme fehltSpieler nimmt Ball erst an — Torwart ist schon wieder eingestellt

Jeder dieser Punkte lässt sich trainieren. Und das ist der Kern dieses Artikels.

Der Anlaufwinkel: Entscheidend, aber selten trainiert

Einer der am meisten unterschätzten Faktoren beim Abschluss nach Flanke ist der Anlaufwinkel des Abnehmers.

Viele Spieler laufen senkrecht auf das Tor zu — geradeaus, wie aus einem Instinkt heraus. Das Problem: Bei einer flachen Hereingabe kommt der Ball von der Seite. Wer gerade ins Tor läuft, trifft den Ball mit der Innenseite des Fußes weg vom Tor.

Der bessere Anlauf:

  • Schräg, von außen nach innen
  • Spieler kommt auf den Ball zu und schließt in Torrichtung ab
  • Der Körper steht dabei natürlich Richtung Tor, nicht seitwärts

Das klingt technisch — ist aber eine der Kernübungen, die den Unterschied machen. Ein Spieler, der seinen Anlaufwinkel beherrscht, trifft auch schwierige Flanken ins Tor. Einer, der immer gerade läuft, kämpft mit seiner eigenen Körpermechanik.

Übungsform für den Anlaufwinkel:

Spieler starten aus verschiedenen Startpositionen (zentral, halblinks, halbrechts) und laufen schräg auf eine Markierung zu, an der die Flanke ankommen soll. Erst ohne Ball — Anlaufweg einschleifen. Dann mit Ball.

Tiefe Flanke vs. hohe Flanke: Unterschiedliche Abschlüsse

Nicht jede Flanke ist gleich. Die Art der Hereingabe bestimmt, welcher Abschluss möglich ist.

Tiefe Flanke (Bodennähe)

  • Kommt flach in den Strafraum, meist von der Grundlinie
  • Idealfall: Ball rollt zwischen Torwart und Verteidiger hindurch
  • Abnehmer braucht: Timing, Einlaufwinkel, sauberer Abschluss mit dem Innen- oder Vollspann
  • Typisch: kurzer Pfosten, Spieler schiebt Ball ins Tor oder leitet weiter zum langen Pfosten

Hohe Flanke (Luft)

  • Kommt als Bogen in den Strafraum, meist aus halbhoher Position
  • Erfordert: Timing im Anlauf, Absprung, Kopf- oder Vollspannabnahme
  • Mehr Risiko, aber auch mehr Überraschungsmoment für den Torwart

Im Training beide Varianten einbauen. Viele Teams trainieren nur eine — meistens die flache Hereingabe. Wer auch hohe Flanken verwerten kann, hat einen echten Vorteil bei Standards und Einwürfen in der gegnerischen Hälfte.

Übung 1: Tiefe Hereingabe mit kurzer und langer Postenbesetzung

Das ist die Basisübung. Sie klingt einfach — und ist trotzdem in vielen Teams nicht richtig eintrainiert.

Aufbau:

  • Außenspieler steht auf der Außenbahn, ca. 20–25 Meter von der Grundlinie
  • 4–8 Feldspieler im Strafraum, aufgeteilt auf kurzen und langen Pfosten
  • Torwart im Tor

Ablauf:

1. Außenspieler startet mit Ball auf die Grundlinie zu

2. Spieler im Strafraum starten ihren Einlauf — Timing ist entscheidend

3. Flanker gibt tiefe Hereingabe in den Strafraum

4. Kurzer Pfosten schließt direkt ab oder legt zurück

5. Langer Pfosten wartet auf Ablage oder Nachschuss

Coaching-Punkte:

  • „Nicht zu früh einlaufen — du musst beim Kontakt des Flankers einlaufen, nicht vorher"
  • „Kurzer Pfosten: Ball Richtung Tor, nicht weg"
  • „Langer Pfosten: Augen auf Mitspieler am kurzen, für Ablage bereit sein"

Variation: Flanken abwechselnd von links und rechts. Spieler müssen ihren Einlaufweg spontan anpassen.

Übung 2: Abschluss nach Ablage

In dieser Übung wird ein dritter Spieler eingebaut — der Ablagespieler. Er steht im Strafraum, nimmt die Flanke an und legt sofort ab.

Aufbau:

  • Flanker auf der Außenbahn
  • Ein Vordermann (Ablagespieler) im Strafraum, ca. 10–12 Meter vom Tor
  • Ein Nachläufer, der von hinten in den Strafraum einläuft

Ablauf:

1. Flanke kommt auf den Vordermann

2. Vordermann nimmt mit dem ersten Kontakt an und legt mit dem zweiten direkt ab — Richtung Nachläufer

3. Nachläufer schließt aus der Bewegung ab

Warum das wichtig ist:

Nicht jede Flanke wird direkt verwandelt. Oft ist der erste Kontakt eine Ablage — und der eigentliche Abschluss kommt von hinten. Spieler, die das eintrainiert haben, finden diese Läufe automatisch.

Variante: Ablagespieler entscheidet spontan, ob er direkt abschließt oder ablegt. Nachläufer muss beide Möglichkeiten im Blick haben.

Übung 3: Direktabnahme aus der Luft

Die Direktabnahme ist das anspruchsvollste Element im Flankentraining. Sie erfordert perfektes Timing, sauberen Anlauf und Vertrauen in die eigene Technik.

Aufbau:

  • 8–10 Spieler in einer Schlange am Strafraumrand
  • Flanker auf der Außenbahn
  • Torwart im Tor
  • (Optional: ein leichter Defensivdruck durch einen Verteidiger)

Ablauf:

1. Flanke kommt als halbhohe oder hohe Hereingabe in den Strafraum

2. Spieler läuft mit Anlauf auf den Ball zu

3. Direktabnahme aus der Luft — Vollspann oder Innenseite, je nach Ballposition

Coaching-Punkte:

  • „Schau den Ball bis zum Kontakt"
  • „Anlauf schräg, nicht gerade"
  • „Tritt den Ball im höchsten Punkt — nicht warten bis er fällt"
  • „Körper über den Ball — nicht nach hinten lehnen"

Wichtig bei der Einführung: Direktabnahmen brauchen Zeit. Erst aus kurzer Distanz und mit gezielten Zuwürfen üben — dann langsam in echte Flanken-Situationen integrieren. Wer zu früh zu komplex wird, erzeugt Frustration statt Lerneffekt.

Wann ist Flankentraining altersgerecht sinnvoll?

Eine Frage, die viele Trainer stellen: Ab wann können Kinder und Jugendliche Flankentraining mit Abschluss sinnvoll durchführen?

Grobe Orientierung:

AltersgruppeEmpfehlung
U8–U10Einfache Hereingaben ohne Druck, Hauptfokus auf Anlauf und Abschluss
U11–U13Flanken mit Postenbesetzung (kurz + lang) einführen, Timing trainieren
U14–U16Direktabnahmen einbauen, taktische Varianten (Ablage, Nachläufer)
U17+Vollständige Spielformen mit Punktesystem, Druck und Varianz

Je jünger die Spieler, desto einfacher die Aufgabe. Ein 10-Jähriger, der lernt, rechtzeitig in den Strafraum einzulaufen, macht mehr Fortschritt als einer, der unter Druck an der Direktabnahme scheitert.

Die Rolle des Flankengebers: Timing und Präzision

Ein Flankentor entsteht nicht nur durch den Abschluss. Es entsteht genauso durch den Flanker.

Was einen guten Flanker ausmacht:

1. Timing — Der Flanker gibt die Hereingabe in dem Moment, in dem die Abnehmer einlaufen. Zu früh: Abnehmer sind noch nicht da. Zu spät: Torwart hat die Situation gelesen.

2. Präzision — Kurzer Pfosten oder langer Pfosten? Flach oder halbhoch? Diese Entscheidung trifft der Flanker — und er muss dabei sehen, wer wo steht.

3. Anlauf — Ein Flanker, der mit Vollgas zur Grundlinie läuft, hat mehr Optionen als einer, der halbherzig reinläuft. Tempo zwingt Verteidiger zurück.

Flanker im Training einbinden:

In vielen Übungen wird der Flanker als reine Zuspielstation behandelt. Das ist ein Fehler. Auch der Flanker soll lernen, die Situation zu lesen: Welcher Pfosten ist frei? Welche Flanke macht hier Sinn?

Spielform mit Punktesystem

Die beste Art, Flankentraining in den Spielkontext zu bringen: eine Spielform, die Flanken belohnt.

Aufbau:

  • 7v7 oder 8v8 auf einem großen Feld mit zwei Toren
  • Normale Regeln, kein besonderer Aufbau

Punktesystem:

TorerfolgPunkte
Normales Tor (ohne Flanke)1 Punkt
Tor nach Flanke2 Punkte
Tor per Direktabnahme nach Flanke3 Punkte

Warum das funktioniert:

Spieler suchen plötzlich aktiv die Außenbahn. Einläufe in den Strafraum werden häufiger. Flanker werden angesprochen. Aus dem Spielfluss entsteht echtes Flankentraining — ohne künstliche Situation.

Variante: Außenbahn ist immer „frei" — kein Verteidiger darf in eine definierte Zone neben der Außenlinie eintreten. Das schafft zusätzlich Raum für Flanken und erhöht die Wiederholungszahl.

Vier Takeaways

#Kernpunkt
1Kurzer und langer Pfosten immer besetzen — Eine Flanke ohne Abnehmer am langen Pfosten ist eine halbfertige Chance
2Timing ist alles beim Einlaufen — Zu früh ist genauso schlecht wie zu spät — Anlauf muss synchron mit Flanker sein
3Direktabnahme gezielt schulen — Sie entsteht nicht von selbst, sondern braucht eigene Übungszeit
4Spielform mit Anreiz für Flanken — Punktesystem motiviert Spieler, die Außenbahn aktiv zu suchen

FAQ: Abschluss nach Flanke

Warum werden so viele Flanken nicht verwertet?+
Meistens liegt es am Timing. Abnehmer starten zu früh und sind beim Kontakt des Flankers schon vorbeigelaufen — oder starten zu spät und kommen nicht mehr an den Ball. Timing-Training ist deshalb genauso wichtig wie die Abschlusstechnik selbst.
Wie trainiere ich den Anlaufwinkel beim Abschluss nach Flanke?+
Lass Spieler ohne Ball auf eine Markierung einlaufen — von verschiedenen Startpositionen (zentral, halblinks, halbrechts). Schräger Anlauf von außen nach innen ist die Grundregel. Erst wenn der Anlauf sitzt, kommt der Ball dazu.
Sollte der kurze Pfosten oder der lange Pfosten zuerst besetzt werden?+
Grundsätzlich werden beide gleichzeitig besetzt. Der kurze Pfosten geht dem Ball entgegen, der lange Pfosten wartet auf Ablage oder überspielte Flanke. Welcher Spieler welchen Pfosten belegt, hängt von der Startposition ab.
Wann ist eine Direktabnahme sinnvoller als eine Ballannahme?+
Wenn der Torwart noch nicht in der richtigen Position ist, ist die Direktabnahme meistens besser — weil der Torwart keine Zeit zur Korrektur hat. Wenn der Ball schwierig kommt oder viel Druck von einem Verteidiger da ist, kann eine kurze Ballannahme die sicherere Wahl sein.
Wie integriere ich Flankentraining in eine normale Trainingseinheit?+
Als Abschluss der Technik-Phase oder direkt vor der Hauptspielform. 10–15 Minuten reichen für eine gute Übung. Dann die Spielform mit Punktesystem als Hauptteil — so läuft das Gelernte direkt in den Spielkontext.
Ab welchem Alter sollte ich Direktabnahmen trainieren?+
Ab etwa U14 macht gezieltes Direktabnahme-Training Sinn. Jüngere Spieler können Direktabnahmen üben, aber der Fokus sollte auf einfacheren Abschlüssen liegen — erst ankommen, dann drücken, dann direkt abnehmen.

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