Warum der Umgang mit Schiedsrichtern so wichtig ist
Drei Gründe, die über das einzelne Spiel hinausgehen:
Grund 1: Deine Spieler kopieren dich
Wer als Trainer Schiedsrichter beschimpft, gibt seinen Spielern die Erlaubnis, das auch zu tun. Über eine Saison entsteht eine Mannschaft, die ständig diskutiert statt spielt.
Grund 2: Deine Eltern kopieren dich
Wer als Trainer auf der Bank ausrastet, gibt Eltern auf der Tribüne die Erlaubnis, das auch zu tun. Was im Jugendfußball oft Probleme verursacht.
Grund 3: Es bringt nichts
Schiedsrichter ändern ihre Entscheidung nie wegen Trainer-Protest. Die einzige Wirkung von Protest: schlechtere Stimmung, eigene Verwarnungen.
Wer pfeift im Jugendfußball – und warum das relevant ist
Im Jugendfußball pfeifen oft junge oder unerfahrene Schiedsrichter. Manchmal 14 oder 15 Jahre alt. Manche pfeifen ihr drittes Spiel. Manche sind selbst noch Spieler in der A-Jugend.
Was das bedeutet:
- Sie machen Fehler. Mehr Fehler als ein erfahrener Schiedsrichter.
- Sie sind unsicher. Reagieren auf Kritik oft mit Trotz oder Überreaktion.
- Sie machen das ehrenamtlich, oft für 10-15 Euro pro Spiel.
Wer das im Hinterkopf hat, geht anders mit Fehlentscheidungen um.
Die drei Sätze, die du dir immer wieder sagen solltest
Satz 1: „Es ist nicht der entscheidende Moment des Lebens."
Selbst eine klare Fehlentscheidung in einem Jugendspiel ist im großen Bild irrelevant. Niemand wird sich daran in 5 Jahren erinnern.
Satz 2: „Der Schiedsrichter macht das ehrenamtlich."
Wie du auch. Er versucht, das beste zu tun. Er ist nicht dein Feind.
Satz 3: „Mein Verhalten wirkt auf meine Spieler."
Was du tust, wird zur Norm. Wenn du diskutierst, diskutieren sie.
Die häufigsten Schiedsrichter-Eskalations-Punkte
Sechs typische Situationen und wie du damit umgehst:
Situation 1: Falsche Abseits-Entscheidung
Dein Stürmer hat klar das Tor erzielt, Schiedsrichter pfeift Abseits.
Was du NICHT tust: Auf den Platz laufen, brüllen, Arme verwerfen.
Was du tust: Tief Luft holen. Spieler beruhigen, die auch protestieren. „Konzentriert weiter."
Warum: Schiri ändert die Entscheidung sowieso nicht. Du verlierst nur Spielzeit für deine eigene Konzentration.
Situation 2: Klares Foul nicht gepfiffen
Dein Spieler wird klar gefoult, Schiri lässt weiterlaufen.
Was du NICHT tust: Brüllen „Foul!" oder Schiedsrichter beleidigen.
Was du tust: Spieler animieren weiterzuspielen. „Spielt weiter! Konzentriert!"
Warum: Wer aufhört zu spielen, weil er ein Foul erwartet, schadet sich selbst.
Situation 3: Strafstoß für den Gegner, der keiner war
Schiri zeigt auf den Punkt, deine Mannschaft ist entsetzt.
Was du NICHT tust: Mit erhobenem Finger zum Schiedsrichter, lautstark protestieren.
Was du tust: Beruhigend auf die Mannschaft einwirken. „Wir kassieren das Tor und machen weiter. Konzentriert."
Warum: Das Tor kannst du sowieso nicht mehr verhindern. Wenn deine Mannschaft jetzt mental einbricht, kommen weitere Tore.
Situation 4: Wiederholte einseitige Pfeifen-Linie
Über das ganze Spiel hinweg pfeift der Schiedsrichter gegen euch.
Was du NICHT tust: In der Halbzeit den Schiedsrichter ansprechen oder konfrontieren.
Was du tust: Falls überhaupt notwendig – in der Halbzeit ruhig sagen: „Schiri, ich finde das schwer für unsere Jungs heute." Keine Konfrontation, nur Hinweis. Mehr nicht.
Warum: Schiedsrichter bemerken das oft selbst. Eine ruhige Bemerkung kann wirken. Aggressive Konfrontation macht es schlimmer.
Situation 5: Schiedsrichter macht klar einen Fehler bei der Spielleitung
Z.B. lässt das Spiel weiterlaufen, obwohl ein Spieler verletzt liegt.
Was du tust: Klar, sachlich auf den Verletzten hinweisen. „Schiri, Spieler verletzt!" – das ist legitim und notwendig.
Warum: Hier geht es um Sicherheit, nicht um Entscheidungen.
Situation 6: Schiedsrichter wirkt überfordert
Junger Schiri pfeift sein erstes Spiel, ist nervös, macht viele Fehler.
Was du NICHT tust: Ausnutzen, druck machen, beleidigen.
Was du tust: Wenn überhaupt – am Spielende kurz sagen: „Erstes Spiel? Lass den Kopf nicht hängen. Wir alle haben mal angefangen."
Warum: Du hilfst einem jungen Schiedsrichter, weiter zu pfeifen. Damit hilfst du dem ganzen Jugendfußball.
Was du als Trainer wirklich auf der Bank machst
Drei Verhaltens-Prinzipien:
Prinzip 1: Eigene Mannschaft coachen, nicht Schiedsrichter coachen
Wenn du redest, dann mit deiner Mannschaft. Über das, was sie machen sollen. Nicht über das, was der Schiri machen sollte.
Prinzip 2: Körpersprache kontrollieren
Genauso wichtig wie Worte. Wer mit den Armen wedelt, den Kopf schüttelt, mit den Augen rollt – sendet aggressive Signale. Auch ohne Worte.
Prinzip 3: Nach umstrittenen Situationen sofort weiter
Die Mannschaft braucht dich. Spieler schauen zur Bank. Wenn du eskalierst, eskalieren sie. Wenn du ruhig bleibst, fokussiert sich die Mannschaft.
Wie du das Verhalten der Mannschaft steuerst
Drei Dinge, die du in der Mannschaft etablieren solltest:
Punkt 1: Klare Regel zu Saisonbeginn
„Mit dem Schiedsrichter wird nicht diskutiert. Punkt. Wer diskutiert, wird ausgewechselt."
Klar kommuniziert, klar durchgezogen.
Punkt 2: Selbst Vorbild sein
Wenn du brüllst, dürfen die Spieler auch. Du bist das Modell.
Punkt 3: Spieler-Verhalten direkt korrigieren
Wenn ein Spieler diskutiert, gehst du dazwischen. „Tim, weiter spielen. Nicht reden."
Im Wiederholungsfall: Auswechseln. Konsequenz herstellt Lerneffekt.
Vor und nach dem Spiel mit dem Schiedsrichter
Vor dem Spiel
Kurz vorstellen. „Hallo, Trainer von [Mannschaft]. Viel Erfolg." Nicht mehr. Keine Hinweise, keine Forderungen.
Nach dem Spiel
Hand geben. „Danke fürs Pfeifen." Auch bei umstrittenen Spielen. Du musst es nicht ernst meinen, aber tu es.
Bei jungen Schiedsrichtern ggf. ein anerkennendes Wort: „Erstes Spiel? Hast du gut gemacht." Es sind oft Jugendliche, die ehrenamtlich pfeifen.
Wenn du wirklich ein Problem mit dem Schiedsrichter hattest
Manchmal gibt es Spiele, in denen wirklich grob falsch gepfiffen wurde – mit Konsequenzen (Niederlage, Spieler-Verletzung). In dem Fall:
Schritt 1: Während des Spiels nicht eskalieren
Auch wenn es schwerfällt. Eskalation hilft nicht.
Schritt 2: Nach dem Spiel: Ruhe bewahren
Erst eine Nacht drüber schlafen.
Schritt 3: Formellen Weg gehen
Falls schwerwiegend (z.B. Schiedsrichter hat Spieler beleidigt): über Vereinsleitung an den Verband. Schriftlich, sachlich.
Beschwerden auf dem Platz oder per WhatsApp an den Schiedsrichter direkt: nie. Macht alles schlimmer.
Spezialfall: Eltern, die Schiedsrichter beleidigen
Eltern hinter der Trainerbank beschimpfen den Schiedsrichter. Was tust du?
Schritt 1: Klares Signal
Drehe dich um. „Bitte aufhören. Wir wollen nicht so reden."
Schritt 2: Wenn es nicht aufhört
Co-Trainer oder Vereinsverantwortlichen ansprechen. „Das geht hier nicht."
Schritt 3: Nach dem Spiel
Mit den entsprechenden Eltern reden. „Hat dem Schiri vor unseren Kindern keinen Spaß gemacht. Bitte bei nächsten Spielen anders."
Schiedsrichter werden manchmal von Eltern attackiert. Wenn du als Trainer das duldest, machst du dich mitschuldig.
Wenn DU vom Schiedsrichter verwarnt wirst
Manchmal passiert es: Du bekommst Gelb, vielleicht sogar Gelb-Rot. Was dann?
Direkt danach
Annehmen. „In Ordnung, Schiri." Nicht diskutieren – macht es schlimmer.
Nach dem Spiel
Wenn unter Kontrolle: Hand geben, kurz Sorry sagen. „Ich war zu emotional. Sorry dafür."
Vor dem nächsten Spiel
Wenn gesperrt: Sperre annehmen. Co-Trainer übernimmt.
Selbst-Reflexion
Was hat dich aus der Ruhe gebracht? Wie kannst du es beim nächsten Mal anders machen?
Wie sich Jugendtrainer langfristig entwickeln
Trainer mit 10 Jahren Erfahrung haben oft eine völlig andere Schiedsrichter-Beziehung als Trainer-Anfänger. Drei Erkenntnisse, die mit der Zeit kommen:
Erkenntnis 1: Schiedsrichter sind Verbündete
Schiedsrichter wollen ein gutes Spiel. Genau wie du. Wer den Schiedsrichter als Gegner sieht, missversteht die Rolle.
Erkenntnis 2: Fehlentscheidungen gleichen sich aus
Über eine Saison gleichen sich Fehlentscheidungen aus. Manchmal trifft es dich, manchmal den Gegner. Über die Saison: ausgeglichen.
Erkenntnis 3: Spiele werden vom Spieler entschieden, nicht vom Schiri
Wer regelmäßig Spielen verliert „wegen des Schiedsrichters", hat ein Wahrnehmungs-Problem. Spiele werden auf dem Platz entschieden.
Wie Coach OS bei der mentalen Vorbereitung hilft
Coach OS kann den Schiedsrichter-Umgang nicht ersetzen. Aber: Strukturierte Trainings-Planung gibt dir mentale Ruhe für die Spielsituation.
Wenn du als Trainer das Gefühl hast „wir sind gut vorbereitet, die Mannschaft ist gefestigt", reagierst du auf Schiedsrichter-Entscheidungen anders, als wenn du innerlich panisch bist. Ruhe entsteht durch Vorbereitung.
Coach OS gibt dir die Vorbereitung. Was du daraus auf der Bank machst, ist deine Sache.
Häufige Fragen zum Schiedsrichter-Umgang
Fazit: Professioneller Schiedsrichter-Umgang ist Profil-Faktor für gute Trainer
Wer als Trainer professionell mit Schiedsrichtern umgeht, verbessert die Stimmung im eigenen Team, hilft den Eltern auf der Tribüne in Ruhe zu bleiben, und unterstützt den jungen Schiedsrichter, weiter zu pfeifen.
Über eine Saison summiert sich das. Du wirst als Trainer respektiert, deine Mannschaft wird als sportlich wahrgenommen, dein Verein hat weniger Probleme mit Schiedsrichtern.
Das alles geht nicht von heute auf morgen. Aber jede Saison ist eine neue Chance, ein Stück professioneller zu werden.
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