Was im Körper passiert
Der Zyklus verläuft in Phasen, in denen sich die Hormonlage deutlich verändert. Für den Sport sind vor allem zwei Effekte relevant.
Der erste betrifft die Leistungsfähigkeit. Eine Untersuchung mit Fußballspielerinnen zeigte im Yo-Yo-Ausdauertest schlechtere Werte in der zweiten Zyklushälfte als zu anderen Zeitpunkten. Dazu kommen individuell sehr unterschiedliche Beschwerden — Schmerzen, Müdigkeit, Schlafqualität.
Der zweite betrifft das Bindegewebe. Ein höherer Östrogenspiegel senkt die Steifigkeit von Sehnen und Bändern, weil die Kollagenbildung zurückgeht. Genau daraus leitet sich die Vermutung ab, dass das Verletzungsrisiko rund um den Eisprung erhöht ist.
Was die Forschung zeigt — und was nicht
Hier ist Ehrlichkeit wichtiger als eine griffige Regel.
Es gibt belastbare Hinweise, dass Zyklusphasen mit Leistung und Verletzungsrisiko zusammenhängen. Eine Untersuchung an Nationalspielerinnen fand, dass rund zwanzig Prozent aller Verletzungen auftraten, wenn die Spielerin „überfällig" war — die Blutung also später einsetzte als bei einem regelmäßigen Zyklus.
Was es nicht gibt, ist ein erprobtes Modell für zyklusbasiertes Training, das man einer Mannschaft überstülpen könnte. Die Studienlage dazu ist uneinheitlich, die individuellen Unterschiede sind groß, und viele Untersuchungen arbeiten mit kleinen Stichproben.
Für dich als Trainer heißt das: Das Thema ist real genug, um es ernst zu nehmen, und zu unsicher, um daraus einen starren Trainingsplan zu bauen.
Der Punkt, der Trainer wirklich angeht
Wenn du aus diesem Artikel eine Sache mitnimmst, dann diese: Das erhöhte Verletzungsrisiko ist der praktisch relevanteste Befund.
Fußball ist die Sportart mit einem der höchsten Kreuzbandrisiken, und Spielerinnen sind davon deutlich häufiger betroffen als Spieler. Wenn hormonelle Phasen dieses Risiko zusätzlich beeinflussen, ist das kein Randthema.
Die praktische Konsequenz ist aber nicht, Spielerinnen in bestimmten Phasen aus dem Training zu nehmen. Sie ist, dass die Basisarbeit sitzt: Sprung- und Landetechnik, Rumpfstabilität, Nordic Hamstring, ein vollständiges Aufwärmprogramm. Diese Bausteine wirken unabhängig vom Zyklus und sind das Einzige, worauf du als Trainer direkten Einfluss hast. Der Überblick dazu steht im Guide zur Verletzungsprävention, speziell zum Knie im Artikel zu Knieverletzungen vorbeugen.
Was du konkret tun kannst
- Belastung anpassen, wenn eine Spielerin es anspricht. Nicht nach Kalender, sondern nach Rückmeldung.
- Präventionsarbeit fest verankern. Jede Einheit, nicht nur wenn Zeit bleibt.
- Eine Rückmeldemöglichkeit schaffen, die ohne Erklärung funktioniert. Viele Vereine nutzen dafür eine einfache Skala zum Befinden — wer sich schlecht fühlt, muss nicht begründen, warum.
- Abwesenheit nicht kommentieren. Wer wegen Beschwerden fehlt, sollte das nicht rechtfertigen müssen.
- An Fachleute verweisen. Bei starken Beschwerden oder ausbleibender Blutung gehört das ärztlich abgeklärt, nicht trainerisch bewertet.
Was du nicht tun solltest
- Keine Zyklusdaten erheben. Das sind Gesundheitsdaten. Im Amateurbereich hat ein Trainer damit nichts zu tun.
- Keine Rückschlüsse auf Leistung ziehen. Eine schwache Einheit ist keine Diagnose.
- Nicht vor der Mannschaft thematisieren. Weder scherzhaft noch besorgt.
- Keine Ratschläge zu Verhütung oder Medikation. Das ist ärztliches Terrain, ausnahmslos.
Wie du das Thema ansprichst
Der häufigste Fehler ist, es zu einem Gespräch zu machen. Besser ist eine einmalige, sachliche Ansage zu Saisonbeginn, die eine Tür öffnet und keine Aufmerksamkeit erzeugt:
Mehr braucht es nicht. Der Satz erledigt zwei Dinge: Er nennt keine Ursache und verlangt keine Begründung.
Wenn du als männlicher Trainer unsicher bist, ist die beste Lösung ohnehin strukturell: eine Frau im Betreuerteam, an die sich Spielerinnen wenden können. Was im Mädchenfußball sonst zu beachten ist, steht im Artikel zum Mädchenfußball trainieren.
Stand: August 2026. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.
5 Takeaways für Trainer
- Nimm es ernst, ohne es zu überhöhen. Die Hinweise sind real, ein fertiges Trainingsmodell gibt es nicht.
- Der wichtigste Hebel ist Prävention. Landetechnik, Rumpf, Nordic Hamstring — unabhängig vom Zyklus.
- Schaff eine Rückmeldung ohne Begründungszwang. Das ist der ganze Kern.
- Erhebe keine Gesundheitsdaten. Nicht deine Rolle, nicht deine Verantwortung.
- Eine Ansage pro Saison reicht. Danach handeln, nicht reden.