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Sporting Alcochete: Die Akademie der Flügelspieler

Luís Figo. Cristiano Ronaldo. Ricardo Quaresma. Simão Sabrosa. Nani. Alle fünf haben in der Jugend von Sporting Lissabon gelernt. Alle fünf waren Flügelspieler, die Gegner im Eins gegen Eins ausspielen konnten wie kaum jemand ihrer Generation. Dazu kommen João Moutinho, Miguel Veloso, Rui Patrício, William Carvalho, Eric Dier, Cédric Soares, João Mário, Nuno Mendes, Gonçalo Inácio und zuletzt Geovany Quenda. Keine Akademie der Welt hat eine so klare Handschrift. Wer wissen will, wie man Spieler ausbildet, die dribbeln können, schaut nach Alcochete.

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Woher das Modell kommt

Sporting hatte lange vor dem Bau der Akademie eine Jugendtradition. Figo kam in den 1980ern, Ronaldo 1997 mit zwölf Jahren von Madeira. Beide trainierten auf den alten Anlagen in Lissabon, bevor die Academia Sporting 2002 in Alcochete eröffnet wurde, rund 30 Kilometer südöstlich der Stadt auf der anderen Seite des Tejo. 2019 wurde sie nach ihrem berühmtesten Absolventen in Academia Cristiano Ronaldo umbenannt.

Der wichtigste Name in der Geschichte der Akademie ist nicht der eines Trainers, sondern der eines Scouts. Aurélio Pereira leitete über Jahrzehnte die Sichtung von Sporting und entdeckte Figo, Simão, Ronaldo, Quaresma, Nani und viele andere. Seine Arbeit ist der Grund, warum Sporting den Ruf hat, Talente zu erkennen, bevor andere sie sehen.

Pereira hat in Interviews beschrieben, wonach er suchte: nicht nach dem besten Spieler des Turniers, sondern nach dem Spieler mit dem Merkmal, das nicht trainierbar ist – Mut am Ball, Tempo, die Bereitschaft, den Gegner anzugreifen, statt den Ball abzugeben. Technik und Taktik, so seine Überzeugung, kann die Akademie beibringen. Den Instinkt nicht.

Die Handschrift: Eins gegen Eins

Sportings Ausbildung hat ein Merkmal, das über alle Generationen sichtbar bleibt: Die Spieler können dribbeln. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Die meisten Akademien Europas bilden heute Spieler aus, die sicher passen, klug positioniert sind und wenig riskieren. Sporting bildet Spieler aus, die Risiko suchen.

Was dazu dokumentiert ist:

Das Eins gegen Eins ist Trainingsinhalt in jedem Jahrgang. Nicht als Aufwärmübung, sondern als Kern. Spielformen, in denen ein erfolgreiches Dribbling Punkte bringt. Übungen, in denen ein Spieler gegen einen Verteidiger auf ein Tor zieht, mit wechselnden Ausgangssituationen. Turniere im Eins gegen Eins.

Fehler beim Dribbling werden nicht bestraft. Das ist die Kulturfrage. Ein Zwölfjähriger, der dreimal den Ball im Dribbling verliert und dann zum Passen gezwungen wird, dribbelt mit 16 nicht mehr. Sporting-Trainer haben mehrfach beschrieben, dass der Mut zum Risiko in jungen Jahren geschützt wird, auch wenn es Tore kostet.

Futsal als Fundament. Ronaldo, Figo, Quaresma und Nani haben als Kinder Futsal gespielt. Das ist in Portugal normal. Die engen Räume erzwingen Ballkontrolle unter Druck und schnelle Finten. Sporting hat eine eigene Futsal-Abteilung, die zu den besten Europas gehört – der Verein gewann 2019 und 2021 die UEFA Futsal Champions League. Die Nähe zwischen Futsal und Feldfußball ist bei Sporting kein Zufall.

Technik mit beiden Füßen. Ronaldo ist das bekannteste Beispiel für einen Spieler, der beidfüßig abschließen kann. Bei Sporting wird das früh und konsequent trainiert. Ein Flügelspieler, der nur nach innen ziehen kann, ist berechenbar.

Individuelle Technik neben dem Mannschaftstraining. Wie bei Ajax, anders als bei Barça: Sporting trainiert Technik auch isoliert. Finten, Ballführung in Höchstgeschwindigkeit, Richtungswechsel. Kurz, intensiv, dann in die Spielform.

Die Struktur

Die Akademie in Alcochete umfasst Plätze für alle Jahrgänge, ein Internat, eine Schule und die Trainingsanlagen der ersten Mannschaft. Wie bei Benfica trainieren Profis und Jugend am selben Ort.

Sporting B spielte von 2012 bis 2018 in der zweiten Liga und wurde dann aufgelöst – aus Kostengründen und weil der Verein die Struktur änderte. Seitdem ist der Weg von der U23, die in einer eigenen Liga spielt, direkt in die erste Mannschaft. Das ist ein Unterschied zu Benfica und wird intern als Schwäche gesehen.

Rúben Amorim nutzte von 2020 bis 2024 die Akademie so konsequent wie kein Trainer vor ihm. Gonçalo Inácio, Nuno Mendes, Dário Essugo, Tiago Tomás, Daniel Bragança – Amorim baute sie ein, gewann 2021 die erste Meisterschaft nach 19 Jahren und 2024 die zweite. Sein 3-4-3 mit hohem Pressing gab jungen Spielern klare Rollen. Nuno Mendes wurde mit 19 für rund 40 Millionen an Paris Saint-Germain verkauft.

Die Sichtung konzentriert sich wie bei Benfica auf den Großraum Lissabon und die portugiesischsprachige Welt, mit einer Besonderheit: Sporting hat traditionell eine starke Verbindung zu den Inseln – Madeira und die Azoren – und nach Afrika. Ronaldo kam aus Madeira, Nani aus Kapverden über einen Lissabonner Vorort.

Die Konkurrenz mit Benfica

Zwei der produktivsten Akademien Europas liegen 20 Kilometer auseinander und sichten dieselben Kinder. Das prägt beide.

Sporting hat die längere Tradition an Weltklasse-Spielern und die klarere Handschrift. Benfica hat seit etwa 2010 die bessere Struktur, den höheren Output und die höheren Verkaufserlöse. In den Rankings des CIES liegt Benfica meist vorne, Sporting folgt mit Abstand.

Der Grund liegt weniger in der Ausbildung als im Verein. Sporting war zwischen 2002 und 2021 sportlich und finanziell instabil, mit Präsidentenwechseln, Skandalen – 2018 der Überfall von Fans auf das Trainingsgelände in Alcochete, nach dem mehrere Spieler den Verein verließen – und ohne Meisterschaft. Die Akademie produzierte weiter, aber die erste Mannschaft konnte die Spieler nicht halten oder nicht optimal einsetzen.

Seit Amorim hat sich das Bild gedreht. Was es zeigt: Eine Akademie ist nur so gut wie der Verein, der ihre Spieler aufnimmt.

Die Kritik

Handschrift ist auch Einseitigkeit. Sporting produziert Flügelspieler und technische Mittelfeldspieler. Innenverteidiger und Sechser von Weltklasse sind seltener – Gonçalo Inácio ist eine Ausnahme. Ein Verein, der auf Risiko ausbildet, produziert weniger Spieler, deren Stärke Sicherheit ist.

Der Verlust von Sporting B. Der Wegfall der zweiten Mannschaft in der zweiten Liga hat den Übergang erschwert. Die U23-Liga ist kein Ersatz für Männerfußball um Punkte. Sporting hat das erkannt und diskutiert seit Jahren die Rückkehr.

Instabilität von oben. Zwei Jahrzehnte Vereinschaos haben die Akademie nicht zerstört, aber ihre Wirkung begrenzt. Spieler gingen zu früh oder unter Wert.

Wenig Methodik nach außen. Wie bei Benfica gibt es kein Curriculum, keine Lehre. Die Handschrift ist erkennbar, aber nicht dokumentiert. Was übertragbar ist, muss aus Beobachtung abgeleitet werden.

Anwendung: Was du davon übernehmen kannst

Dieser Abschnitt ist unsere Interpretation.

Sporting ist die Akademie, deren Kernidee sich am einfachsten in jedes Training übertragen lässt: Spieler ausbilden, die den Gegner angreifen.

Eins gegen Eins in jede Einheit

Grundlagen und Übungsformen stehen im Leitfaden zum 1 gegen 1.

Zehn Minuten, jeder Jahrgang, jede Woche. Nicht als Aufwärmen, sondern mit Tor und Gegner. Formen: 1 gegen 1 auf ein Tor aus verschiedenen Startpositionen. 1 gegen 1 mit Anspiel vom Trainer. 2 gegen 2 auf kleinem Feld, wo Dribbling die einzige Lösung ist.

Schütze den Mut

Ein Kind, das dribbelt und den Ball verliert, hat etwas richtig gemacht. Sag das. Bestrafe den Ballverlust nicht mit der Anweisung zu passen. Bestrafe ihn gar nicht. Das ist die eigentliche Sporting-Lektion, und sie ist eine Kulturfrage, keine Übung.

Beidfüßigkeit ab dem ersten Tag

Jede Technikform mit beiden Füßen. Abschlüsse mit dem schwachen Fuß zählen doppelt. Eine Spielform pro Einheit, in der nur mit dem schwachen Fuß abgeschlossen werden darf. Mit acht ist das normal, mit 14 ist es zu spät.

Enge Räume im Winter

Futsal statt Hallenfußball mit Bande. Wenn kein Futsal möglich ist: kleine Felder, kleine Tore, wenige Spieler, Futsal-Ball. Die Ballkontakte vervielfachen sich, die Finten entstehen von selbst.

Erkenne das, was nicht trainierbar ist

Aurélio Pereiras Prinzip gilt für jede Sichtung, auch im Amateurverein. Der Spieler, der den Ball immer sofort abgibt, ist sicher – aber oft nicht der, der später den Unterschied macht. Der Spieler, der andribbelt und scheitert, hat etwas, das man nicht beibringen kann. Gib ihm Zeit.

Spielformen, die Dribbling belohnen

Punkt für jedes erfolgreiche Dribbling in der gegnerischen Hälfte. Tor zählt doppelt nach einem Dribbling. Regel: Vor dem Torabschluss muss ein Gegner ausgespielt worden sein. Die Regel steuert das Verhalten, ohne dass du es erklären musst.

Was du dir merken solltest

  • Sporting hat die klarste Handschrift aller großen Akademien: Spieler, die dribbeln können. Figo, Ronaldo, Quaresma, Nani, Simão.
  • Aurélio Pereira, der langjährige Scout, suchte nach dem, was nicht trainierbar ist: Mut am Ball und Instinkt. Technik bringt die Akademie bei.
  • Eins gegen Eins ist Trainingsinhalt in jedem Jahrgang. Fehler beim Dribbling werden nicht bestraft.
  • Futsal ist Fundament – im Verein und in der Ausbildung.
  • Der Verein war zwei Jahrzehnte instabil. Die Akademie produzierte trotzdem, aber unter Wert. Unter Rúben Amorim wurde das Potenzial sichtbar.
  • Übertragbar: Eins gegen Eins in jede Einheit, Mut schützen, Beidfüßigkeit, enge Räume, Spielformen, die Dribbling belohnen.

Eine Spielform mit der Regel „Tor zählt nur nach Dribbling" ist in Sketch in wenigen Minuten gezeichnet und in Coach OS als eigene Übung in jeder Einheit verfügbar. Die Regel ist die Idee. Der Rest ist Werkzeug.

Häufige Fragen

Warum bringt Sporting so viele Flügelspieler hervor?+
Weil die Ausbildung das Eins gegen Eins in den Mittelpunkt stellt, Risiko schützt und auf Futsal als technischem Fundament aufbaut. Die Sichtung unter Aurélio Pereira suchte gezielt Spieler mit Mut am Ball.
Hat Cristiano Ronaldo in Alcochete trainiert?+
Nein. Ronaldo kam 1997 zu Sporting und trainierte auf den alten Anlagen in Lissabon. Die Akademie in Alcochete wurde 2002 eröffnet, im Jahr seines Profidebüts. Sie wurde 2019 nach ihm benannt.
Wer war Aurélio Pereira?+
Der langjährige Leiter der Sichtung von Sporting, der Figo, Simão, Ronaldo, Quaresma, Nani und viele weitere entdeckte. Sein Ansatz: nach dem suchen, was nicht trainierbar ist.
Gibt es Sporting B noch?+
Nein. Die zweite Mannschaft spielte 2012 bis 2018 in der zweiten Liga und wurde aufgelöst. Der Übergang läuft heute über die U23.
Was ist der Unterschied zwischen Sporting und Benfica in der Ausbildung?+
Sporting hat die klarere Handschrift und die längere Tradition an Weltklasse-Spielern. Benfica hat die bessere Struktur, Benfica B als Brücke und die höheren Verkaufserlöse.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Interviews mit Aurélio Pereira zur Sichtung und zur Talentphilosophie von Sporting, verstreut über portugiesische und internationale Medien.
  • CIES Football Observatory: Berichte zu Ausbildungsvereinen.
  • Berichte und Reportagen zur Academia Cristiano Ronaldo in Alcochete.
  • Interviews mit Rúben Amorim zur Integration junger Spieler 2020–2024.
  • Zur Rolle des Futsal: UEFA-Berichte zur Futsal Champions League und Interviews mit portugiesischen Nationalspielern.

Hinweis zur Faktenlage: Sporting veröffentlicht kein Curriculum. Die Beschreibung der Ausbildung beruht auf übereinstimmenden Aussagen aus dem Umfeld und der erkennbaren Handschrift der Absolventen. Transfersummen sind Basisbeträge nach Medienberichten.

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